Kann man Fachliteratur von Prosa jederzeit sauber trennen? Herbert Molderings aktuelle Veröffentlichung erschwert die Antwort: Es handelt sich natürlich um Fachliteratur, in welcher der Autor auf wissenschaftliche Publikationen und Erkenntnisse ebenso rekurriert, wie er seine eigene wissenschaftliche Beschäftigung mit Marcel Duchamp und dessen Werken anschaulich darlegt. Recherchiert man die Aktivitäten des Autors, vor allem in der Lehre, dann liegt die Vermutung nahe, dass wir hier die Ergebnisse seiner Vorlesungen und Seminare jüngeren Datums in kompakter Form erhalten. Um aber zur Eingangsfrage zurückzukehren: Es gelingt Molderings vortrefflich, die Fülle an Bezügen zwischen dem Künstler Duchamp und dessen Werk zur (westlichen) Kunst- und Geistesgeschichte der letzten 500 Jahre immer wieder neu herzustellen, MEHR »
Herbert Molderings : Die nackte Wahrheit. Zum Spätwerk von Marcel Duchamp
Philipp Schönthaler : Nach oben ist das Leben offen
Gesundheitsapostel aufgepasst! Von diesem Autor kann man was lernen! Intensiv hat er recherchiert über optimale Ernährung, die effektivsten Entspannungstechniken, Bewegungslehren bis hin zum mentalen Coaching. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Erzählungen als Sinnbild des modernen Menschen. Doch Schönthaler erzeugt mit seinem Kompendium der gesunden Lebensführung eher Grauen als Perspektive. Statt Orientierung und vielleicht sogar Erlösung erzwingt diese ein Schema, das an kargen, mönchischen Tagesablauf erinnert. Nicht jede seiner Figuren scheitert – manchen gelingt die Flucht – MEHR »
Patricia Görg : Handbuch der Erfolglosen. Jahrgang zweitausendundelf.
Fukushima, ein verirrter Pinguin, Karl-Theodor zu Guttenbergs Plagiat, Rettungsschirm für Griechendland, Gaddafis Regenschirm in Tripolis, Strauss-Kahn und Blicke zu unbekannten Sternen. Man muss etwas genauer hinsehen, durch das Triëdere von Patricia Görg, um aus dem feinen Textgewebe nicht etwa medienkritische Glossen, scharfzüngige Kolumnen über kalendarische Ereignisse des Jahres 2011 herauszulesen. Patricia Görg rückt den Schlagzeilen und Bildern mit dichtender Schere zu Leibe, vergrößert die Ausschnitte, belichtet und montiert das Material zu einem apokalyptischen Panoptikum. MEHR »
Mirko von Holdt : Fakebook. 7 Tage online, 546 Freunde und keiner, dem das gefällt.
In der Redaktionssitzung wurde heftig darüber gestritten, ob dieses Buch überhaupt eine Besprechung verdient. Am Ende überwogen jedoch Erschöpfung und Betroffenheit über das Schicksal dieses jungen Autors, das sich über mehrere Seiten hinzieht und dessen schlichte Authentizität für sich spricht. Worum gehts? Mirko von Holdt, 24 Jahre alt, Krankenpfleger an der Berliner Charité, eine Woche Nachtschicht, eine Woche frei, hat viel Zeit. Zu seinen Eltern besteht kaum Kontakt. Die Mutter lebt im Saarland und leidet unter Sammelwut. Der Vater, Prominentenzahnarzt im MEHR »
Frédéric Wandelère : Hilfe fürs Unkraut
Ein Vorwort von Philippe Jaccottet und die Übersetzernamen Elisabeth Edl und Wolfgang Matz sind eigentlich schon Empfehlung genug für einen französischen Dichter, der hierzulande nahezu unbekannt ist: Frédéric Wandelère.
Nun liegt eine feine zweisprachige Auswahl des in Fribourg lebenden Lyrikers auf Deutsch vor, und schon der Titel lässt uns aufhorchen: „Hilfe fürs Unkraut“ (Secours aux mauvaises herbes).
Wandelère widmet seine Aufmerksamkeit den kleinen Dingen, Tieren und Pflanzen, Motten, Ameisen, Heuschrecken, Löwenzahn und Kapuzinerkresse. MEHR »
Ralf Rothmann : Shakespears Hühner
Eine Frau sitzt im Café. Ihr letzter Tag in Paris. Sie beobachtet einen Mann, der ihr bekannt vorkommt. Als er aufbrechen will, nimmt sie ihren Mut zusammen und behauptet, dass sie ihn kennt, “aus einem Traum“. Der Mann dreht sich um und antwortet: „Ja, ich erinnere mich“ und verlässt das Café. Woher nimmt Ralf Rothmann diese Geschichten? Ein hünenhafter Leichenträger, der sich ein Reimlexikon kauft, um für einen Nachbarsjungen ein Katzengedicht weiter zu dichten. Ein weiterer Knabe, der seine Unschuld beinah an einer Frauenleiche verliert. Oder ein verbitterter Stasimajor, der bis zum letzten Atemzug akribisch seine Familiengeschichte verdreht. MEHR »
Derek Walcott : Weiße Reiher
Woher kommen diese Gedichte? Von einer karibischen Insel? Aus Übersee? Wenn Dichtung genau das sei, was in der Übertragung verloren geht, so sind die Weißen Reiher von Derek Walcott, wie sie uns Werner von Koppenfels in dieser zweisprachigen Ausgabe zuführt, eine poetologische Widerlegung, die nicht Rhythmus und Reim, sondern dem Changieren Walcottscher Metaphorik ihren Vorzug gibt und dabei einen eigenen, wunderbaren Klang erzeugt. Ein Beispiel: „Nimm all dies hin im ausgewogenen Satz, / skulptierte Setzung, jede Stanze an ihren Platz gebracht; / lern, wie die lichte Wiese sich nicht schützt / vor bohrenden Reiher-Fragen und der Replik der Nacht.“ MEHR »
Henry David Thoreau : Die Wildnis von Maine. Eine Sommerreise
Im Juli 1857 bricht Henry David Thoreau gemeinsam mit einem Freund zu seiner dritten Reise in die Wälder von Maine auf. Geführt werden sie von Joseph Polis, einem Indianer, der die eigentliche Hauptfigur des Textes ist: Ein Grenzgänger zwischen der alten und der neuen Welt, in der sogenannten Zivilisation ebenso zu Hause wie in den Wäldern; zudem unternehmerisch überaus ambitioniert und erfolgreich (mit Sicherheit erfolgreicher als Thoreau). Thoreaus zweijähriges Experiment, in einer selbstgebauten Blockhütte am Waldensee im Einklang mit der Natur zu leben und auf diese Weise MEHR »
Günter Grass : Was bereist werden muss. Iranische Skizzen
Diesen fast jugendlich-frisch daherkommenden und von unmittelbarer und unvoreingenommener Anschauung und Erfahrung gesättigten Reiseaufzeichnungen merkt man kaum an, mit welchen Widerständen der 84jährige Nobelpreisträger gerungen haben muss, bevor er auf persönliche Einladung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad die Iran-Air Maschine von Hamburg nach Teheran besteigt. Drei Bedingungen hat der Autor seinen Gastgebern vor MEHR »






