Alain Badiou : Das Endliche und das Unendliche

Gefasst auf eine hochverdichtete, diskurskritische Volte über das Endliche und Unendliche fühlt man sich nach den ersten Seiten in den Hörsaal einer Kinderuniversität versetzt. Dann aber leuchtet etwas auf: Dass diese kindlichen, naiven Fragen den Anfang philosophischen Fragens und philosophischer Neugier markieren. Warum kann zum Beispiel eine kugelrunde Null das Zentrum des Universums darstellen? Wie verhält sich die Zähl- und Messbarkeit zum Unendlichen. Wie ist der Anfang entstanden? Wie kann ein endliches Wesen wie der Mensch das Unendliche denken? Der französische Philosoph Alain Badiou findet verblüffend einfache und poetische Antworten. Ohne die Fähigkeit zum Unendlichen, ohne die Kunst, die über das Endliche hinausragt, wäre die Welt viel trauriger und weniger interessant. „Wir schwanken immer zwischen dem Einwilligen, sich im gewöhnlichen Leben einzurichten, und dem Wunsch, zumindest einmal im Leben, aber dabei zitternd, dem Unendlichen zu begegnen.“ Und wozu braucht ein unendlicher vollkommener Gott die Welt? Badiou ist der Ansicht, dass es besser sei, anzunehmen, es gäbe keinen Gott. Er hat sich vergnügt wie ein Künstler und etwas geschaffen, das ihm nicht ähnelt. Vielleicht ist die Welt das Kino Gottes. Und viellecht findet er den Film übrigens schlecht. Es ist ein großes Vergnügen zu lesen, mit welcher leichten Eleganz sich Badiou diesen unendlich jungen Fragen stellt.
Alain Badiou, Das Endliche und das Unendliche, herausgegebe von Peter Engelmann, übersetzt von Richard Steurer. Passagen Verlag, 9,-€.