Archiv für Alexander Wittwer

Irit Amiel : Gezeichnete – Geschichten vom Überleben

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Wenn Sie in diesem Jahr nur ein Buch zu lesen beabsichtigen, dann lesen Sie dieses. Irit Amiel wurde 1931 in Polen als Irena Librowicz geboren. 1947 gelangte sie nach Palästina und lebt seitdem als Autorin und Übersetzerin in Israel. Als Überlebende hat sie Geschichten vom Überleben gesammelt und aufgeschrieben, die Zeugnis ablegen davon, welch unaussprechliche Last und welch lebenslangen Schmerz das Überleben für diejenigen bedeutet haben musste, denen es – um den Preis für immer von den Eltern, Geschwistern, Großeltern und Verwandten getrennt zu werden, oft ohne sich auch nur verabschieden zu können » Weiterlesen

Grace Paley : Am selben Tag, später

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Wir danken dem Verlag für einen weiteren Band mit Erzählungen von Grace Paley und möchten unsere Empfehlung für diese Autorin, die wir schon für Ungeheure Veränderungen in letzter Minute aussprachen, wiederholen. In den vorliegenden 17 Erzählungen treffen wir Faith (immer noch „Rechthaberin in Person“) und ihre Freundinnen wieder, mittlerweile älter gewordene, aber immer noch „starrsinnige linke Ladys“ und unbeugsame Vertreterinnen „später Gegenkultur – so ihre Selbstbeschreibung in der Erzählung Freundinnen. Was diese Erzählungen auszeichnet ist weniger das, wovon sie berichten als vielmehr die unverwechselbare Art und Weise, in der sie erzählt werden. » Weiterlesen

Peter Bichsel : Über das Wetter reden

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Seit über 30 Jahren schrieb Peter Bichsel regelmäßig für verschiedene Schweizer Zeitungen Kolumnen, die in ebensolcher Regelmäßigkeit vom Suhrkamp Verlag uns Lesern auch in Buchform präsentiert wurden. Nun also der leider wohl letzte Band, der im doppelten Sinne das Werk eines ganzen Lebens „abrundet“ und uns dazu einlädt, dieses Werk entweder allererst zu entdecken oder sich wieder durch die Jahrzehnte zu blättern, sich festzulesen und sich darin zu verklettern. Unsere Empfehlung bezieht sich deshalb nicht nur auf das uns vorliegende Buch, das die Kolumnen der Jahre 2012 bis 2015 versammelt, sondern auf das gesamte Werk von Peter Bichsel. Auch die vorliegenden Texte entziehen sich einer exakten Textsortendefinition. » Weiterlesen

Michel Houellebecq : Unterwerfung

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Wir haben lange gezögert uns mit den – zweifellos sehr bescheidenen – uns zur Verfügung stehenden Mitteln an der Debatte über den neuen Roman Michel Houellebecqs zu beteiligen. Wir tun dies nun dennoch, da wir glauben, dass der bisherige Verlauf der Debatte den vorliegenden Text konsequent verfehlt. Es handelt sich weder um einen islamkritischen Text (hierzu hat sich auch der Autor hinreichend und sichtlich genervt geäußert) noch um eine Satire. Vielmehr um den paradoxen Versuch ein Vakuum oder Nichts sichtbar zu machen, ohne es konsequenterweise als solches zu benennen (und damit seinen Nicht-Gehalt notwendigerweise zu verfehlen), in das der neue islamische Präsident Frankreichs mit seiner Partei stößt. » Weiterlesen

Botho Strauß : Herkunft

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Ein Buch der Erinnerung und ein Buch über das Erinnern: Das berührendste und bestürzendste Buch, das wir seit langem in Händen gehalten haben. Unserer Ansicht nach das mit Abstand wichtigste in diesem Herbst. In ihm setzt Botho Strauß sich dem „rohen, unberechenbaren Affekt, dem Anfall oder Ansprung von „‚verlorener Zeit'“ schonungs- und schutzlos aus. Er führt uns nach Ems, den Ort seiner Kindheit, erinnert sich an seinen Vater, der ihm, so lange er lebte, so fremd war, mit dem ihm rückblickend und selber älter werdend aber eine „Moral des Scheiterns“ verbindet, die ein ganz neues Licht wirft auf das, was man an Abgekehrtheit und Weltflüchtigkeit Strauß immer wieder unterstellt und vorgeworfen hat. » Weiterlesen

Karen Köhler : Wir haben Raketen geangelt

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Diese Erzählungen sind atemberaubend und im wahrsten Sinne herausragend. Wir versichern: So etwas haben Sie noch nicht gelesen. Wovon die Erzählungen handeln? Von den Krisen und Katastrophen, die das Leben für uns bereithält. Von Fluchten, Wendepunkten, Verlust und Tod. Und davon, dass es wider Erwarten jederzeit doch möglich ist, gerettet zu werden. In der Titelerzählung spricht eine weibliche Stimme zu ihrem Geliebten, von dem wir erst nach und nach erfahren, dass er tot ist. Kurze, blitzlichtartige Fragmente des gemeinsamen Lebens tauchen auf. Auf wenigen Seiten alle Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Liebe – hochverdichtet in einer Sprache, die schnoddriger, zärtlicher, lakonischer und präziser nicht sein könnte. » Weiterlesen

Robert Seethaler : Ein ganzes Leben

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Ein ganzes Leben erzählen – geht das heute noch? In Form eines Romans, den man (vorschnell) versucht sein könnte als Heimatroman zu bezeichnen? Auf nicht mehr als 155 Seiten? Es geht, wie uns der neue Roman von Robert Seethaler auf eindrucksvolle Weise vorführt. Der Roman erzählt das Leben des Andreas Egger, der im Sommer 1902 als vierjähriger Bub in ein namenloses Alpendorf zum Großbauern Kranzstocker kommt, der ihn als uneheliches Kind einer seiner Schwägerinnen zwar widerwillig in Empfang nimmt, in dem Kind zugleich aber die Möglichkeit sieht, seine sadistischen Neigungen auszuleben. Die Kindheit und Jugend auf dem Kranzstocker-Hof werden für den kleinen Egger zu einem wahren Martyrium. » Weiterlesen

Urs Faes : Sommer in Brandenburg

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Der Schweizer Autor Urs Faes eröffnet uns in seinem jüngsten Roman Sommer in Brandenburg ein bislang nahezu unbekanntes und wenig erforschtes Stück jüdischer Geschichte in Deutschland. Schauplatz des Romans ist das Landgut Ahrensdorf in der Nähe von Trebbin, das bis in den Spätsommer/Herbst 1939 eines von mehreren sogenannten Landwerken der Hachschara-Bewegung ist, die von der damals noch bestehenden Reichsvertretung der Juden gepachtet wurden, um Jugendliche auf das harte und entbehrungsreiche Leben als Pioniere in einem der neu gegründeten Kibuzzim in Palästina vorzubereiten – in der Hoffnung » Weiterlesen

Gertrud Leutenegger : Panischer Frühling

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April 2010. Der isländische Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull bricht aus und legt mit seiner Aschewolke den europäischen Luftverkehr lahm. Für einen Moment steht die Zeit still. Oder: Ein Zeitfenster öffnet sich. Die namenlose Ich-Erzählerin befindet sich in London. Der Zweck Ihres Aufenthalts: „Allem fern sein, um allem nah zu sein.“ Sie trifft dort auf Jonathan, der Tag für Tag auf der London Bridge eine Obdachlosenzeitung verkauft. Die beiden beginnen zu erzählen. Dieses Erzählen ermöglicht ein Erinnern, das für die kurze Zeit ihrer Begegnung die verloren geglaubten Momente eines verlorenen Glücks (und Unglücks) wiederauferstehen lässt. » Weiterlesen

Elias Canetti : Das Buch gegen den Tod

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„Die größte Anstrengung des Lebens ist, sich nicht an den Tod zu gewöhnen.“ In dieser Aufzeichnung aus dem Jahr 1967 verdichtet sich die ungeheure Anstrengung und Antriebskraft eines Schreibens, das stets ein Anschreiben gegen den Skandal des Todes war. Canetti hat Zeit seines Lebens den Plan zu diesem Buch nicht verwirklicht. Umso mehr gilt unser Dank den Herausgebern (und dem Verlag), die uns chronologisch geordnet eine sorgfältige getroffene Auswahl derjenigen Aufzeichnungen (oft einzelne Sätze nur, etwa zwei Drittel davon bislang ungedruckt) aus dem gewaltigen Textmassiv von Canettis Aufzeichnungen zugänglich machen, » Weiterlesen

Michail Ryklin : Buch über Anna

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Was wissen wir wirklich über die Menschen, die uns nahestehen und die wir lieben? Der russische Philosoph Michail Ryklin (dessen BuchMit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie an dieser Stelle ebenfalls sehr empfohlen sei) stellt sich und uns diese Frage in seinem Buch über Anna. Seine Frau, die Lyrikern Anna Altschuk, verlässt am Karfreitag 2008 die gemeinsame Berliner Wohnung und kehrt nicht zurück. Drei Wochen später wird sie tot aus der Spree geborgen. » Weiterlesen

Toni Morrison : Heimkehr

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Man mag versucht sein, Toni Morrisons Roman „Heimkehr“ angesichts des hohen Alters der Autorin mit der Erwartung zu lesen, es handle sich um ein sogenanntes Alterswerk. Weit gefehlt. Es sei denn, damit sei gemeint, ohne jeden Ballast, schnörkellos und leicht von der unendlichen Schwere des Lebens zu erzählen – was diesem Roman auf wunderbare Weise gelingt. Frank Money kehrt traumatisiert aus dem Koreakrieg zurück. Er hat seine beiden besten Freunde dort sterben gesehen und hat selbst getötet. Eingewiesen in eine psychiatrische Anstalt erreicht ihn die Nachricht, dass seine Schwester Cee in tödlicher Gefahr schwebt. » Weiterlesen

Grace Paley: Ungeheure Veränderungen in letzter Minute

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Nach Die kleinen Widrigkeiten des Lebens liegt mit Ungeheure Veränderungen in letzter Minute nun ein weiterer Band mit Erzählungen von Grace Paley vor, den wir an dieser Stelle sehr empfehlen wollen. Zumeist raubt einem schon der erste Satz den Atem und bildet in höchster Verdichtung und zugleich mit unvergleichlicher Leichtigkeit oder Lässigkeit (ja Schnoddrigkeit) eine Geschichte für sich. Gewissermaßen im Zeitraffer präsentiert uns schon der erste Satz der ersten Erzählung Wünsche ein ganzes Leben inklusive das Scheitern einer Ehe: „Erst war an dem Freitag mein Vater krank, dann hatte ich dienstagsabends immer die Versammlungen, dann fing der Krieg an.“ Und danach war es einfach zu spät, diese Ehe noch zu retten. » Weiterlesen

Rafael Chirbes : Am Ufer

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Kann man über „die Finanzkrise“ schreiben? So, dass daraus Literatur entsteht und nicht eine in literarisch notdürftig veranschaulichte Dokumentation oder Reportage? Ohne dass der Text an der Komplexität und Trivialität der den Globus umspannenden Kapitalströme zerschellt? Ohne nur die Sinndefizite erfolgreicher Spekulanten zu entlarven oder die Hohlheit ihrer austauschbaren Lebensentwürfe zu desavouieren? Ohne Investmentbanker sich aus dem 27. Stock ihres Büroturms stürzen zu lassen oder eine Vorstandssitzung auf die Bühne eines notdürftig restaurierten Dokumentartheaters zu bringen? Darf Literatur, die notwendig auf Sprache und deren eigenes Bewegungsgesetz verwiesen ist, sich noch zuständig fühlen für das, was in Echtzeit in den Glasfaserkabeln transagiert wird? » Weiterlesen

John Cheever : Ach, dieses Paradies

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Unser Dank gilt zunächst dem Verlag, der uns in den letzten Jahren das erzählerische Werk John Cheevers in neuer Übersetzung wieder zugänglich gemacht hat. Der vorliegende Roman ist Cheevers letzter – 1982 im Jahr seines Todes erschienen – und zugleich sein merkwürdigster. Vordergründig geht es um den Kampf eines älteren Mannes aus New York – Lemuel Sears – für den Erhalt eines Teichs, des Beasley’s Pond in Janice, Upstate New York, auf dem er gerne Schlittschuh läuft. Diesen Teich (oder besser: diesen kleinen See) will eine mafiöse Allianz aus Lokalpolitik und anonym bleibenden Hintermännern zu einer Giftmülldeponie umfunktionieren. Sagenhaft, was Cheever auf den exakt 120 Seiten dieses Romans alles geschehen lässt: » Weiterlesen

Jorge Semprun : Überlebensübungen

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Der vorliegende Text ist Fragment geblieben. Jorge Semprun erinnert sich in ihm an seine Zeit in der Résistance bis zu seiner Verhaftung im September 1943. An die Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald. An die 10 Jahre (die er nicht ohne Stolz und Genugtuung als „eine Art Höchstleistung oder Rekord“ bezeichnet) in Madrid, die er unentdeckt im Untergrund überlebte. Er erinnert sich an die 20 Jahre seines Lebens, die im Rückblick als Überlebensübungen erscheinen. An die allgegenwärtige Gefahr, entdeckt und verhaftet zu werden, an den Triumph der Befreiung, und an die Folter, die die schwerste aller Überlebensübungen darstellte. » Weiterlesen

Claude Simon: Archipel / Nord. Kleine Schriften und Photographien

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Claude Simon hat sich selbst gerne als bricoleur, als Handwerker oder Bastler bezeichnet. Die in dem vorliegenden Band versammelten Prosatexte erlauben es uns, ihm in seiner Werkstatt posthum bei der Arbeit zuzusehen. Brigitte Burmester verweist in ihrem klugen und erhellenden Vorwort ausdrücklich darauf, dass alle Texte Simons den „Blick und das Sehen“ dergestalt favorisieren, dass man sein Schreiben nicht ohne Grund als eine Art „Photographie ohne Apparat“ bezeichnet hat. Claude Simon selbst schreibt in seinem Vorwort zur 1992 von ihm veröffentlichten Auswahl seiner Fotos (Photographies (1937-1970)), welches in dem vorliegenden Band unter dem Titel „Photographie und Literatur“ aufgenommen wurde: „Es ist die Macht, festzuhalten und zu speichern, was unser Gedächtnis selbst zu behalten außerstande ist, nämlich das Bild von etwas, das nur in einem winzigen Bruchteil der Zeit stattgefunden und existiert hat.“ » Weiterlesen

Louis Begley : Erinnerungen an eine Ehe

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Wir befinden uns in New York im Jahr 2003. George W. Bush hat gerade verkündet, dass die Mission im Irak erfüllt sei. Eine Vermeintlichkeit, der im neuen Roman von Louis Begley noch viele folgen werden. Der Ich-Erzähler Philip – ein siebzigjähriger Schriftsteller, seit kurzem wieder in New York – geht ins New York State Theater, um sich eine Aufführung der New York City Ballet Compagnie anzusehen. Philip lebt allein, seine Tochter Agnes und seine Frau Bella sind tot. Von sich sagt (oder schreibt) er: „Und ich habe meine Erinnerungen. Dantes Vergil hat sich geirrt, als er ihm erklärte, kein Schmerz sei größer, als im Unglück an vergangene glückliche Zeiten zu denken. » Weiterlesen

Amos Oz / Fania Oz-Salzberger: Juden und Worte

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Der Schriftsteller Amos Oz und seine Tochter, die Historikern Fania Oz-Salzberger (deren auch im Jüdischen Verlag erschienenes Buch Israelis in Berlin an dieser Stelle ebenfalls sehr empfohlen sei) stellen die Frage nach dem, was jüdische Identität und Kontinuität über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg ausmacht. Sie tun dies ausdrücklich als „nicht-religiöse Juden“, deren jüdische Identität sich nicht aus dem Glauben speist. Sie tun dies als „Atheisten der Bibel“ – in dem Bewusstsein, dass „wir Juden (…) dafür bekannt (sind), daß wir unmöglich etwas zustimmen können, was mit ‚wir Juden’ anfängt“. Der Titel dieses Buches ist also schon die Antwort. » Weiterlesen

Andreas Maier: Die Straße

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Wir gestehen, dass wir voller Ungeduld auf den dritten Teil der insgesamt auf sieben (andere Quellen melden die Zahl 11, was uns nur recht sein soll) Bände ausgelegten Maierschen Suche nach der verlorenen Zeit gewartet haben. Nach „Das Zimmer“ und „Das Haus“ nun also „Die Straße“. Maier arbeitet sich von innen nach außen vor, was die Vermutung erlaubt, dass der vierte Band den Titel „Die Stadt“ trägt. Womit wir in Friedberg, inmitten der Wetterau sind, die Andreas Maier längst zu seinem literarischen Kosmos erhoben hat. Wir begleiten den jungen Andreas durch die späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre und lassen uns berichten von Vätern, die nicht anders können als die Freundinnen ihrer Töchter auf den Schoß zu nehmen » Weiterlesen

Amity Gaige : Schroders Schweigen

Amity_Gaige_Schroders_SchweigenDer erfahrene Leser glaubt, ihn könne nichts mehr erschüttern. Er wiegt sich im Glauben, alles sei schon einmal irgendwann, irgendwo durch irgendwen erzählt worden, alle menschlichen Irrtümer, Lügen und Tragödien, jedes Scheitern, jedes Versagen und jeder Schmerz seien schon zur Genüge beschrieben worden. Dass dem nicht so ist, beweist dieser Roman, der – wenn man nicht aufpasst – einem das Herz brechen kann. Schroder, der Erzähler, richtet aus dem Gefängnis das Wort an seine Frau Laura, die sich von ihm getrennt und mit der er eine kleine Tochter, Meadow, hat. Er erzählt, wie er als Kind mit seinem Vater die DDR verließ und in die USA gelangte. Wie er sich einen neuen Namen (ausgerechnet Kennedy), eine neue Vergangenheit und Biografie andichtete und zum konsequenten Lügner und Hochstapler wurde. » Weiterlesen

Alexander Kluge / Gerhard Richter: Nachricht von ruhigen Momenten

kluge_richter_nachricht von ruhigenMomentenWenn der unermüdliche Geschichtenfinder und -erzähler Alexander Kluge und der Maler (und – wie wir spätestens seit 2010 wissen – auch Fotograf) Gerhard Richter sich in Sils Maria treffen, um gemeinsam Silvester zu feiern, dann ließe sich – liefe dieses Bild nicht Gefahr jene Unschärfe vermissen zu lassen, um die nicht zuletzt es in diesem Buch geht – nicht ganz zu Unrecht von einem Gipfeltreffen sprechen. Nach Dezember (2010) liegt nun in einem wie immer äußerst sorgsam gestalteten Band der Bibliothek Suhrkamp eine zweite gemeinsame Arbeit der Beiden vor. » Weiterlesen

Patrick Modiano : Der Horizont

Modiano_23951_MR.inddUnsere Vergangenheit ist dunkle Materie. Der unsichtbare Teil unseres Lebens ist ungleich größer als der sichtbare. Das nicht Gelebte ist unendlich: „kurze Begegnungen, verpasste Rendezvous, verlorene Briefe, Vornamen und Telefonnummern, die in einem alten Taschenkalender stehen und die man vergessen hat, und all die Frauen und Männer, deren Wege man gekreuzt hat, ohne es überhaupt zu wissen.“ Schwindel erfasst denjenigen, der seine Gedanken auf das richtet, „was hätte sein können und nicht gewesen war“. Patrick Modianos Roman erzählt von Jean Bosmans, der den Versuch unternimmt, Licht in die dunkle Materie seiner Vergangenheit zu bringen, um festzustellen, dass es kein Ganzes gibt, „nur Splitter, Sternenstaub“. » Weiterlesen

Eugen Ruge : Cabo de Gata

Eugen Ruge Cabo de Gata„Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.“ Deshalb ist es auch unerheblich, wer da spricht, ob der Autor oder sein Erzähler. Jedenfalls: Der Ich-Erzähler erinnert sich. Wie er sich eines Morgens eingestehen musste, dass er den Versuch, einen Roman zu schreiben, als gescheitert betrachten muss. Wie er sich unvermittelt entschließt, alles hinter sich zu lassen, seine Wohnung am Prenzlauer Berg aufzulösen, seine Möbel zu veräußern, sich von den wenigen Menschen, die ihm nahestehen zu verabschieden, von der Tochter seiner ehemaligen Geliebten, die glaubt, er sei ihr Vater (traurigster Moment in diesem Buch), von seinem Vater, der ihn jedoch nicht zum Essen dabehalten kann, da die Scheiben Brot peinlich genau abgezählt sind. » Weiterlesen

Patricio Pron: Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf

pron-der-geist-meiner-vaeter-steigt-im-regen-aufEin junger Mann kehrt 2008, nachdem er acht Jahre in Deutschland gelebt hat, in seine argentinische Heimat zurück, da sein Vater schwer erkrankt ist. Durch exzessiven Konsum von Drogen hat er fast vollständig sein Gedächtnis verloren. Während sein Vater im Krankenhaus um sein Leben kämpft, findet der Erzähler auf dessen Schreibtisch eine Aktenmappe, in der sein Vater Zeitungsartikel über den Tod eines gewissen Alberto José Burdisso gesammelt hat. Wer war dieser Burdisso? Und welche Verbindung besteht zum Vater des Erzählers? Der Sohn beginnt zu lesen und erfährt, dass der Vater in der Zeit der Militärdiktatur (1976 – 1983) Alicia Burdisso, » Weiterlesen