Bogumil Balkansky : Auf Neuseeland sind die Briten die Tschuschen

Ein Glücksfall: Man öffnet den Umschlag, runzelt über Autorname und Titel die Stirn und legt es erstmal auf den Schuhschrank. Von dort aus wandert das Buch über verschiedene Vordringlichkeitsstapel auf den Schuldturm noch ungelesener, in Folie eingeschweißter Bücher. Nur durch den Umstand, dass an einem der folgenden Tage gerade nichts anderes greifbar und obenauf liegt, blättert man in den ersten Seiten, und – es haut einen um. Zum Teufel: Wer steckt hinter dem Pseudonym Balkansky? Und warum kenne ich diesen Autor nicht? Hier sind neben einem Kaleidoskop artistischer Bruchlandungen hinreißende Migrantenpossen und -Glossen versammelt, aberwitzige Tagebuchfragmente, Irrfahrten eines halb serbisch halb kroatischen Donauschwaben, der sich als Videothekar, Journalist, Amateurpornoproduzent, Flüchtlingshelfer, Fluglotse und Blogger zwischen Datscha und Plattenbau durchschlägt. In seiner Tonart sicherlich verwandt mit Biller, Borat und Stasiuk, nur luftiger, lakonischer und mit einem Riesenschalk im Nacken. Bitte mehr davon!

Bogumil Balkansky: Auf Neuseeland sind die Briten Tschuschen, redelsteiner dahimène edition,
252 S. broschiert, 16,90 Euro.