Wolfgang Herrndorf : Arbeit und Struktur

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Als Wolfgang Herrndorf Im März 2010 erfährt, dass ein bösartiger Tumor in seinem Kopf wächst und ihm noch fünf Lebensmonate bleiben, beginnt er einen Wettlauf gegen die Zeit. Er stürzt sich in Arbeit, schreibt „dreimal so schnell“ und täglich bis zu sechzehn Stunden. Es werden knapp drei Jahre, die er nachfolgend als die „besten seines Lebens“ bezeichnen wird. Während er unter Hochdruck den Roman Tschick fertigstellt und einen neuen Roman Sand in Angriff nimmt, stellen ihm seine Freunde – zunächst ein privates, später dann öffentlich zugängliches Tagebuch-Blog ins Netz, in dem Herrndorf minutiös Gliobastom-Recherchen, das Fortschreiten der Krankheit, seine Ängste, seine Phantasien, seine Rückschläge, seine Träume und Hoffnungen notiert. Er will „Herr im eigenen Haus“ bleiben und beschafft sich mit einem Revolver eine „Exitstratgie“. » Weiterlesen

Michael Maar: Heute bedeckt und kühl. Große Tagebücher von Samuel Pepys bis Virginia Woolf

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Warum werden Tagebücher geschrieben? Warum lesen wir sie? Und warum sollte man auch noch ein Sekundärbuch über Tagebücher lesen? Nun, die Leser seien an dieser Stelle gleich dreifach gewarnt: Das Buch von Michael Maar liefert keine abschließenden Antworten, man kann es nicht mehr aus der Hand legen, und die Folgekosten sind unabsehbar. Denn mit jedem Kapitel wächst der Wunsch, sich alle zitierten Primärtexte von Woolf bis Hebbel, von Thomas Mann über Schnitzler zu Cheever schellstmöglich zu beschaffen. Mit stilistischer Eleganz und feiner Ironie blättert der Literaturwissenschaftler Michael Maar die abwechselnd groß und banal erscheinenden Einträge auf. Er zeigt, wie das Tagebuch der Neuzeit mit dem Wegfall der Beichte nicht nur als Kompensation der protestantischen Kultur, sondern auch als das Medium der Einsamkeit, als Zwiegespräch mit sich selbst als dem letzten möglichen Gesprächspartner gelesen werden kann. » Weiterlesen

Paul Nizon : Die Belagerung der Welt

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Paul Nizons Tagebücher – in der vorliegende Ausgabe von Martin Simon aus fünf bereits publizierten Journalen ausgewählt und zusammengestellt – sind alles andere als Nebenprodukte eines Schriftstelleralltags. Es geht um den Funken, der das Funkeln erzeugt. Die losen Aufzeichnungen, Selbstreflexionen, Schriftstellerportraits, Reiseskizzen, Traumwelten, erotischen Streifzüge und Großstadtszenen, können, wie sein Hauptverleger und Förderer Siegfried Unseld vortrefflich formulierte, als Archetypen eines Literaturbesessenen gelesen werden, der die unabdingbare Selbstsucht seiner poetischen Existenz belagert, protokolliert; der Momente aufspürt, Gespräche wiedergibt und nach und nach seine Figuren und Stoffe in Stellung – und damit zur Welt bringt. » Weiterlesen