Emmanuel Bove : Begegnung und andere Erzählungen

Unwiderstehlich galant und unwiderstehlich traurig. Das ist Emmanuel Bove. Seine Erzählungen, Novellen und Märchen arrangieren kunstvoll das Begegnen, Begehren und Verfehlen von Mann und Frau wie das von Text und Lesererwartung. In dieser Trias bewegen sich die (Erzähl-)Figuren wie Katz und Maus umeinander. Bereits die Titel kündigen an, worum es in Boves Erzählungen geht: um Kränkungen, verletzten Stolz, um Zurückweisungen, Hoffnungen und Illusionen, die sich wie seidige Stricke um den Heldenkragen legen. In fein ziselierten Psychogrammen zeichnet und koloriert Bove den monströsen Deutungswahn, die Illusionen und fragilen Möglichkeitsräume, in die sich seine männlichen Flanneure wie Artisten verklettern; wie ihnen eine Angebetete im Vorbeigehen zunächst vage Hoffnungen auf ein Abenteuer macht, um sich anschließend mit einem Achselzucken abzuwenden. So fragt Max am Ende einer umständlichen Begegnung in Die Illusion ratlos: „Was habe ich denn getan?“ „Nichts“, antwortet Madeleine, „nichts haben Sie getan. Alles hat sich in mir abgespielt.“ Die Frau erweist sich durchweg als ebenso bezaubernd wie undurchschaubar, der Mann dagegen als aussichtsloser Fall. In Sie ist tot wird das Verschwinden einer standeswidrigen Geliebten aufwendig inszeniert, eine Zurückweisung, die Leser und Helden gleichermaßen verstört, wenn dieser am Ende seiner Recherchen alle Möglichkeiten durchspielt und schließlich mutmaßt, es sei möglich, dass er alles nur geträumt habe.
Diese Auswahl an großartigen Erzählungen, die Thomas Laux hier zusammen- und zum Teil erstmals ins Deutsche übertragen hat, zeigt über alle Schaffensperioden hinweg nicht nur das reichhaltige Repertoire Emmanuel Boves. Sie lassen einmal mehr den Verlust erahnen, den der frühe Tod des großen französischen Romanciers der Literatur beigebracht hat.
Emmanuel Bove: Begegnung und andere Erzählungen. Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Thomas Laux. 444 Seiten, Lilienfeld-Verlag, 24,90 EUR.