Frédéric Wandelère : Hilfe fürs Unkraut

Ein Vorwort von Philippe Jaccottet und die Übersetzernamen Elisabeth Edl und Wolfgang Matz sind eigentlich schon Empfehlung genug für einen französischen Dichter, der hierzulande nahezu unbekannt ist: Frédéric Wandelère.
Nun liegt eine feine zweisprachige Auswahl des in Fribourg lebenden Lyrikers auf Deutsch vor, und schon der Titel lässt uns aufhorchen: „Hilfe fürs Unkraut“ (Secours aux mauvaises herbes).
Wandelère widmet seine Aufmerksamkeit den kleinen Dingen, Tieren und Pflanzen, Motten, Ameisen, Heuschrecken, Löwenzahn und Kapuzinerkresse. Fast möchte man zurückweichen, diese anmutigen, ebenso düsteren wie ironischen Tableaus zu besprechen. Sie sind aus seidigem Stoff. Wie Schmetterlingsblüten verweilen sie auf den Seiten und jede andere Sprache will einem dagegen grob erscheinen. Man möchte ihre zarte Ruhe, diese leisen Töne lieber nicht stören. Wandelères heitere Melancholie, sein Schmerz über das Abwesende, über den Verlust von Freunden atmet mit jeder Silbe ein ‚Ja‘ zum „einzigartigen Wunder, in dieser Welt gelebt zu haben“ (Julien Gracq). Es ist erstaunlich, wie Wandelère in „Fort mit dem Wind“ das petrifizierte Andenken an Yvonne Guggenheim ins Ätherische überführt:

„Leichter denn je
sie, die ohnehin
(…) seit so langer Zeit fort
von dieser Erde, die sie
kaum noch berührte
(…)
Dennoch ist‘s hier, wo ich sie höre
ihre Musik aus Blättern und Luft,
zuweilen fast nichts, gerade mal
Lust auf einen Satz, der Wunsch
etwas das rascheln möge in
unserer falschen Stille. Ich schweige
denn überraschen müsste man sie“

Das ist lyrische Zauberei in vollkommener Windstille.

Frèderèric Wandelère: Hilfe fürs Unkraut. Gedichte. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. Bd. 22 der Edition Lyrik Kabinett. Carl Hanser Verlag 2012. 144 Seiten. 14,90 Euro.