Patrick Modiano erhält den Literaturnobelpreis

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Nun wissen es alle und kaum einer kennt ihn hierzulande. Patrick Modiano hat heute die höchste literarische Auszeichnung, den Literaturnobelpreis, erhalten, und auf die Frage, wie er das findet, den Journalisten geantwortet: „C‘est bizarr!“ Modiano ist ein Autor der leisen Töne. Er ist keiner, der das Rampenlicht sucht. Er lebt zurückgezogen in Paris. Seine Romane sind still, seine Figuren zurückhaltend. Sie suchen und lieben die Stille des Interieurs und der Schattenwelt. Modianos Kunst besteht darin, den diffusen, komplizierten Prozess des Erinnerns auszuleuchten. Viele seiner Romane spielen in Paris unter der deutschen Besatzung. Das Geschehen bleibt in der Schwebe und die Figuren bleiben trotz ihrer fein konturierten Zeichnung schwer fassbar,

wie in einen bedrohlichen Morgennebel getaucht. Modiano beschreibt auf unnachahmliche Weise den Zustand einer Ich-Verlorenheit, bei der zur Freude über das Angekommensein die Trauer über den Verlust stets mitschwingt.
Kein geringerer als Peter Handke hat Modiano für den deutschen Sprachraum entdeckt. Seine Bücher – das wird sich jetzt ändern – waren zeitweise so erfolglos, dass sich Suhrkamp von ihnen trennte und Hanser den französischen Autor übernahm. Was für ein Glück! Und was für eine feine Bescheidenheit, wenn der größte zeitgenössische französische Autor sagt, dass er sehr gespannt sei, wie das Komitee seine Entscheidung begründen werde. Es erscheine ihm „ein bisschen unwirklich“, nun zum Kreise dieser Menschen zu gehören, „die ich bewundert habe“. Jo Lendle, der neue Herausgeber vom Hanser-Verlag, kündigte heute auf der Frankfurter Buchmesse an, dass Modianos neuer Roman „Gräser der Nacht“ vorgezogen und nicht wie geplant im Frühjahr 2015, sondern bereits in den kommenden Tagen ausgeliefert werde. Bis dahin legen wir allen, die diesen Autor endlich kennenlernen wollen, die Lektüre seines letzten Romans „Der Horizont“ ans Herz. Wir verneigen uns vor dem großen Autor und bleiben gespannt.