Peter Bichsel : Über das Wetter reden

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Seit über 30 Jahren schrieb Peter Bichsel regelmäßig für verschiedene Schweizer Zeitungen Kolumnen, die in ebensolcher Regelmäßigkeit vom Suhrkamp Verlag uns Lesern auch in Buchform präsentiert wurden. Nun also der leider wohl letzte Band, der im doppelten Sinne das Werk eines ganzen Lebens „abrundet“ und uns dazu einlädt, dieses Werk entweder allererst zu entdecken oder sich wieder durch die Jahrzehnte zu blättern, sich festzulesen und sich darin zu verklettern. Unsere Empfehlung bezieht sich deshalb nicht nur auf das uns vorliegende Buch, das die Kolumnen der Jahre 2012 bis 2015 versammelt, sondern auf das gesamte Werk von Peter Bichsel. Auch die vorliegenden Texte entziehen sich einer exakten Textsortendefinition. Es sind Geschichten, Beobachtungen, Reflexionen; oft vom vermeintlich Kleinen, Geringen, Alltäglichen, Abseitigen, Erfahrungen, Erinnerungen, Begegnungen oder auch nur einzelnen Gegenständen ausgehend, sich dann verzweigend, unerwartete Wendungen nehmend und auf engsten Raum das verdichtend, was es einem zustößt, wenn man mit offenen Augen und einem offenem Herzen durch ein langes Leben geht. In diesen letzten Kolumnen geht es häufig um Abschied, Erinnerung und Tod. Nichts jedoch liegt Peter Bichsel ferner als Sentimentalität oder Nostalgie. In seiner letzten Kolumne schreibt er: „Geschichten erzählen hat mit dem Ende zu tun. Solange wir erzählen, bleibt alles rund, bleibt alles Wiederholung, das Runde hat kein Ende. Erzählen ist letztlich das Aufbäumen gegen jenes Ende, das uns allen sicher ist. Und sich zu verabschieden ist der Entscheid, die Runde, das Runde zu verlassen und geradeaus zu gehen, geradeaus nach Hause (…)“ Und wenig später: „Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, daß Sie mir zugehört haben, daß Sie mit mir geschwiegen haben. Das war nie selbstverständlich. Jetzt verabschiede ich mich und versuche geradeaus zu gehen.“ So verbieten auch wir uns jede Sentimentalität.

Peter Bichsel: Über das Wetter reden. Kolumnen 2012-2015. Suhrkamp Verlag, 150 S. geb., 19,95 EUR