Wilhelm Genazino : Idyllen in der Halbnatur

Manchmal fürchte ich mich davor, ein neues Buch von Genazino aufzuschlagen. Ich finde mich in der Vermurkstheit seiner Figuren gespiegelt, werde eine Zeitlang für die Prosa der Verhältnisse unbrauchbar und die Bücher anderer Autoren erscheinen mir lange Zeit als zu plüschig. In den hier versammelten Prosastücken, Reden und Aufsätzen geschieht etwas Anderes und durchaus Gewagtes: Genazino erklärt seine Texte und ihre besondere Wirkung. Neben blitzgescheiten Essays über Kafka, Kleist, Strindberg und Stifter, erhalten wir aus seinen Bamberger Vorlesungen psychoanalytische Einblicke in Szenen, Motive und Krisen seiner Schreib(t)räume. Wir erfahren, weshalb er sich in der frühen Abschaffel-Trilogie der „Großgruppe der Angestellten“ annimmt; warum das Komische in den späteren Romanen (Ein Regenschirm für diesen Tag und Die Liebesblödigkeit) notwendigerweise unentscheidbar wird. » Weiterlesen

Reiner Stach : Ist das Kafka? 99 Fundstücke

Seine Vorliebe für Bier. Seine Abneigung gegen Impfen. Seine Angst vor Mäusen. Welche Turn- und Atemübungen er täglich absolvierte. Wieviele Mutmaßungen es über seine Augenfarbe gab. Dass der Eintrag im Reisepass genauen Aufschluss gibt: „Dunkelblaugrau“. Berichte über zwanghafte Bordellbesuche. Ein präziser Grundriss der Wohnung der Familie Samsa. Die Legende, dass Zuhörer einer Lesung in München ohnmächtig und hinausgetragen wurden, während der Dichter ungerührt aus seiner Strafkolonie weiter las. » Weiterlesen