Karl Ove Knausgård : Im Herbst

Pünktlich zur Jahreszeit fallen uns Karl Ove Knausgårds goldene Herbstblätter in die Hand. Im Herbst heißt der erste von vier Jahreszeitenbänden, der nach seinem sechsbändigen autobiographischen Romanprojekt in der deutschen Übersetzung von Paul Berf nun vorliegt. Jeder Monat hebt mit einem Brief an seine ungeborene Tochter an und umfasst je zwanzig Prosastücke. Es sind Fritz-Kochersche Aufsätze über ebenso alltägliche wie disparate Gegenstände: Über Äpfel, Plastiktüten, Benzin geht es weiter zu Pisse, Kaugummis und Blut. Sie handeln von Schamlippen, Van Gogh, von Einsamkeit und Erde oder von Konservendosen, von Schmerz und von der Stille. » Weiterlesen

Peter Handke – Siegfried Unseld : Der Briefwechsel

Es steht zu befürchten, dass verlagsgeschichtliche Editionen dieser Art, einmal den Gesetzen des Marktes unterworfen, bald der Vergangenheit angehören. Der Briefwechsel zwischen Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld und einem seiner nahestehendsten Autoren, Peter Handke, erscheint womöglich deshalb zur rechten Zeit. Am Leitfaden der in Duktus und Ton immer selbstbewusster und forscher auftretenden Handke-Briefe kann man die Geduld des Verlegers nur bewundern. So wie er die Frechheiten Thomas Bernhards oder Dauerausreden Wolfgang Koeppens wegsteckt, reagiert er klug und besonnen auf die Überempfindlichkeiten und Unterstellungen wie etwa „die Zeit der Lügen muss ein Ende haben“. » Weiterlesen

Cees Nooteboom : Briefe an Poseidon

Briefe an den Meeresgott? Woher? Cees Nooteboom sitzt bei einem Glas Champagner in einem Fischrestaurant auf dem Viktualienmarkt, liest in den Tagebüchern von Sándor Márai und entdeckt auf einer blauen Serviette den Namen des Lokals: „Poseidon“. Ein grimmiger Gott mit Dreizack in der Badewanne. Der Spezialist für Meeresfische und Meeresfrüchte. Was für eine Idee. Was für eine berechtigte, in ihrer Schlichtheit bestechende Frage an einen Gott: „Was denkt ihr eigentlich über uns?“ Früher verkleideten sie sich noch als Menschen und wandelten umher. Eine Begegnung mit ihnen war nicht so unwahrscheinlich wie heute. Das Göttliche waltet nicht mehr an jeder Straßenecke. » Weiterlesen

Paul Celan – Gisela Dischner : Wie aus weiter Ferne zu Dir. Briefwechsel.

Gewiss. Die spärliche Korrespondenz Paul Celans mit der 20 Jahre jüngeren Germanistin Gisela Dischner besitzt nicht annährend die Intensität und Dichte seiner an andere Freunde wie Ilana Shmueli, Franz Wurm oder Ingeborg Bachmann gerichteten Briefe – wir sprechen von 30 diskreten Briefen an Dischner gegenüber 90 Briefen an den Dichter zwischen den Jahren 1964 und 1970. Aufschlussreich jedoch ist, was Celan seiner „lieben kleinen Ulla“ alles nicht schreibt. Kein Wort über die Goll-Affäre, keine Zeile über die vielfältigen Zerrüttungen, keine, die die psychiatrischen Klinikaufenthalte oder die Trennung von seiner Ehefrau Gisèle Lestrange auch nur im Geringsten andeutet. » Weiterlesen