Arno Geiger : Das glückliche Geheimnis

Da dreht nicht irgendeiner seine Runden und wühlt im Müll, vorzugsweise im Altpapier oder Sperrmüll, sondern kein Geringerer als Arno Geiger. Der Ich-Erzähler gibt Auskunft über seine frühen Jahre, die Angst vor der Gefahr, wenn

Per Petterson : Männer in meiner Lage

„Wie misst man Trauer, gibt es einen Zollstock für Trauer, gibt es zum Beispiel einen Unterschied zwischen der Trauer um eine Person im Vergleich zur Trauer um zwei oder drei Personen oder sogar vier,

Knausgard - Im Herbst

Karl Ove Knausgård : Im Herbst

Pünktlich zur Jahreszeit fallen uns Karl Ove Knausgårds goldene Herbstblätter in die Hand. Im Herbst heißt der erste von vier Jahreszeitenbänden, der nach seinem sechsbändigen autobiographischen Romanprojekt in der deutschen Übersetzung von Paul Berf nun

Kader Abdolah : Die Krähe

Und dann passiert Folgendes: Die Königin fährt vor. Sie trägt einen auffälligen Hut. Mit einem Strauß bunter Tulpen nähert sie sich meinem Haus. Ich stehe mit meiner Frau und Tochter vor der Tür und neige

Julian Barnes : Lebensstufen

"Man bringt zwei Menschen zusammen, die vorher nicht zusammengebracht wurden. Manchmal ist das wie jener erste Versuch, einen Wasserstoffballon an einen Heißluftballon zu koppeln: Man hat die Wahl zwischen abstürzen und verbrennen oder verbrennen und

Mercè Rodoreda : Der Garten über dem Meer

"Ich habe schon immer gerne erfahren, was den Leuten so alles passiert, und das nicht etwa, weil ich neugierig wäre... Eher, weil ich Menschen mag, und die Besitzer dieses Hauses mochte ich sehr. Aber das

Michel Houellebecq : Unterwerfung

Wir haben lange gezögert uns mit den – zweifellos sehr bescheidenen – uns zur Verfügung stehenden Mitteln an der Debatte über den neuen Roman Michel Houellebecqs zu beteiligen. Wir tun dies nun dennoch, da wir

Wolfgang Büscher : Ein Frühling in Jerusalem

Und das war es, das ganze Geheimnis, ich begriff es in diesem Moment an der Ecke Al Wad Street/Via Dolorosa – die hohe Kunst des Aneinandervorbeigehens, die schöne Jerusalemer Ignoranz. Während Amerika und Europa der

Patrick Modiano erhält den Literaturnobelpreis

"Im Mittelpunkt steht nicht mein persönliches Ich. Dieses ist eher wie eine Leerstelle, ein Probemuster, das in unterschiedliche Situationen und Atmosphären getaucht wird, um zu beobachten, wie sie sich dabei verfärben. Auf diese komplexen Verfärbungsprozesse,

Karl Ove Knausgård : Leben

"Dann schlenderte ich zum Bus, rauchte eine letzte Zigarette, stellte die Koffer in den Gepäckraum, bezahlte den Fahrer und bat ihn, mir Bescheid zu geben, wenn wir nach Håfjord kamen. Ich ging nach hinten und

Robert Seethaler : Ein ganzes Leben

„Wie alle Menschen hatte auch er während seines Lebens Vorstellungen und Träume in sich getragen. Manches davon hatte er sich selbst erfüllt, manches war ihm geschenkt worden. Vieles war unerreichbar geblieben oder war ihm, kaum

Urs Faes : Sommer in Brandenburg

Der Schweizer Autor Urs Faes eröffnet uns in seinem jüngsten Roman Sommer in Brandenburg ein bislang nahezu unbekanntes und wenig erforschtes Stück jüdischer Geschichte in Deutschland. Schauplatz des Romans ist das Landgut Ahrensdorf in der

Tomas Espedal : Wider die Natur

"Er ist achtundvierzig Jahre alt, er wirkt älter(...)Er mag von Einsamkeit oder zu vielen Genüssen verwüstet sein, was genau in seinem Gesicht wohnt, lässt sich nicht sagen, aber das Verwüstete macht ihn schön; sie fand

Henry James : Washington Square

"In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, genauer gesagt, gegen Ende dieser Zeitspanne, praktizierte in der Stadt New York höchst erfolgreich ein Arzt, der sich wohl in besonderem Maße jener Anerkennung erfreute, die in den Vereinigten

Gertrud Leutenegger : Panischer Frühling

"In einem pakistanischen Esslokal, in das ich von der Straße her hineinschaute, sah ich in einem kleinen Fernseher, seit kurzem auf einem Mikrowellenherd direkt unter der niedrigen Decke postiert, den Vulkan weiter mit Wucht Asche

Michail Ryklin : Buch über Anna

Was wissen wir wirklich über die Menschen, die uns nahestehen und die wir lieben? Der russische Philosoph Michail Ryklin (dessen ebenfalls im Suhrkamp Verlag erschienenes Buch Mit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten

Toni Morrison : Heimkehr

Man mag versucht sein, Toni Morrisons Roman „Heimkehr“ angesichts des hohen Alters der Autorin mit der Erwartung zu lesen, es handle sich um ein sogenanntes Alterswerk. Weit gefehlt. Es sei denn, damit sei gemeint, ohne

Katja Petrowskaja : Vielleicht Esther

Es gibt Bücher, denen man mit einer Kurzbesprechung nicht zu nahe treten, aus denen man vorlesen, aber nichts zerreden möchte. Wer jedoch würde diese hehre Absicht bemerken? Wer würde registrieren, dass es unter der Lawine

Rafael Chirbes : Am Ufer

Kann man über „die Finanzkrise“ schreiben? So, dass daraus Literatur entsteht und nicht eine in literarisch notdürftig veranschaulichte Dokumentation oder Reportage? Ohne dass der Text an der Komplexität und Trivialität der den Globus umspannenden Kapitalströme

Navid Kermani : Große Liebe

Ein persisches Sprichwort behauptet: Alle Vorwände gelten der Liebe. Navid Kermani, der sich rückblickend an seine erste große Liebe und an den 15-jährigen erinnert, der er war, liefert den schönsten aller Vorwände für die Erzählung

John Cheever : Ach, dieses Paradies

Unser Dank gilt zunächst dem Verlag, der uns in den letzten Jahren das erzählerische Werk John Cheevers in neuer Übersetzung wieder zugänglich gemacht hat. Der vorliegende Roman ist Cheevers letzter – 1982 im Jahr seines

Louis Begley : Erinnerungen an eine Ehe

Wir befinden uns in New York im Jahr 2003. George W. Bush hat gerade verkündet, dass die Mission im Irak erfüllt sei. Eine Vermeintlichkeit, der im neuen Roman von Louis Begley noch viele folgen werden.

Peter Handke : Versuch über den Pilznarren

Nach vier ebenso disparaten wie geglückten Versuchen, die uns Peter Handke in den letzten Jahren geschenkt hat, mag dieser jüngste, fünfte Versuch über den Pilznarren auch bei den waldkundigsten Leser streckenweise die Frage aufwerfen: Worauf

Andreas Maier: Die Straße

Wir gestehen, dass wir voller Ungeduld auf den dritten Teil der insgesamt auf sieben (andere Quellen melden die Zahl 11, was uns nur recht sein soll) Bände ausgelegten Maierschen Suche nach der verlorenen Zeit gewartet

Amity Gaige : Schroders Schweigen

Der erfahrene Leser glaubt, ihn könne nichts mehr erschüttern. Er wiegt sich im Glauben, alles sei schon einmal irgendwann, irgendwo durch irgendwen erzählt worden, alle menschlichen Irrtümer, Lügen und Tragödien, jedes Scheitern, jedes Versagen und

Jochen Schmidt : Schneckenmühle

Im Herz der Finsternis, an der schwach beleuchteten Strecke zwischen Pirna und Liebstadt, mitten im Wald und unweit der tschechischen Grenze gibt es einen Ort, an dem die Zeit noch stiller steht: die Schneckenmühle. Fraglich,

Peter Stamm : Nacht ist der Tag

Die Leser seien gewarnt: Hier kommt der mit Abstand kälteste, beunruhigenste und schwärzeste Roman der Saison. Peter Stamm erzählt die Geschichte von Gillian und Hubert. Von Astrid, Rolf und Matthias. Bereits die Namen geben Anlass

Patrick Modiano : Der Horizont

Unsere Vergangenheit ist dunkle Materie. Der unsichtbare Teil unseres Lebens ist ungleich größer als der sichtbare. Das nicht Gelebte ist unendlich: „kurze Begegnungen, verpasste Rendezvous, verlorene Briefe, Vornamen und Telefonnummern, die in einem alten Taschenkalender

Eugen Ruge : Cabo de Gata

„Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.“ Deshalb ist es auch unerheblich, wer da spricht, ob der Autor oder sein Erzähler. Jedenfalls: Der Ich-Erzähler erinnert sich. Wie er sich eines Morgens

Patricio Pron: Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf

Ein junger Mann kehrt 2008, nachdem er acht Jahre in Deutschland gelebt hat, in seine argentinische Heimat zurück, da sein Vater schwer erkrankt ist. Durch exzessiven Konsum von Drogen hat er fast vollständig sein Gedächtnis

David Vann : Dreck

Ein Buch wie ein Faustschlag ins Gesicht. Galen, 22 Jahre, lebt mit seiner Mutter auf einer Walnussplantage in Carmichael, einem Vorort von Sacramento, im Central Valley, Kalifornien, „einer langgestreckten, heißen Senke Stumpfsinn“. Galen möchte gerne

Pierre Bost : Ein Sonntag auf dem Lande

Es gilt, ein literarisches Kleinod anzuzeigen. Dem Dörlemann Verlag sei gedankt, diesen 1945 erstmals erschienen Roman des heute weitgehend vergessenen französischen Autors Pierre Bost (1901-1975) dem deutschsprachigen Publikum wieder zugänglich gemacht zu haben. Wie der

Henri Thomas: Der Meineid

Die Geschichte ist so: Der angehende Literaturwissenschaftler Stéphan Charlier leidet unter einem Übervater, der als angesehener Literaturprofessor nicht müde wird, seinem Sohn zu attestieren, er habe „seinen Weg noch nicht gefunden“. Hals über Kopf wandert

Szilárd Rubin: Die Wolfsgrube

Nach „Kurze Geschichte von der ewigen Liebe“ und „Eine beinahe alltägliche Geschichte“ liegt mit „Die Wolfsgrube“ – dem Rowohlt Berlin Verlag sei gedankt – nun ein weiterer Roman des erst kurz vor seinem Tod 2010

Ursula Krechel : Landgericht

Was mit einem formalen Zweizeiler beginnt, die Zwangsversetzung des jüdischen Rechtsassessors Kornitzer in den Vorruhestand, ist Auftakt einer Zerstörung, die zeigt, wie ein deutscher Jude systematisch am Wiederaufbau seiner eigenen Geschichte und Existenz gehindert wird.

Gaito Gasdanow : Das Phantom des Alexander Wolf

Wenn Kafka zufolge ein Buch die Axt für das gefrorene Meer in uns zu sein hat, dann schlägt einem Gasdanows Romananfang mit voller Wucht zwischen die Augen: „Von allen meinen Erinnerungen, von all den unzähligen

Janet Frame : Ein Engel an meiner Tafel

Zunächst sei dem Verlag gedankt, dem das Verdienst gebührt, mit der Neuauflage von Ein Engel an meiner Tafel den zweiten Band der dreiteiligen Autobiografie der großartigen neuseeländischen Autorin Janet Frame (1924 – 2004) wieder zugänglich

M. Agejew : Roman mit Kokain

Wir befinden uns an der Schwelle zum ersten Weltkrieg im vorbolschewistischen Moskau. Es ist Winter. Wadim Maslennikow schämt sich seiner niederen Herkunft, hasst und verachtet seine Mutter, knöpft ihr die letzten Rubel ab, um auf

Tomás Gonzáles : Das spröde Licht

Die Geschichte einer Nacht. Die beiden Brüder Jacobo und Pablo sind auf dem Weg von New York nach Portland. Sie wollen dort einen Arzt treffen, der bereit ist, Jacobo Sterbehilfe zu leisten. Jacobo ist nach

Orhan Pamuk : Die Unschuld der Dinge

Geschichten sind der Stoff, aus dem Geschichte gemacht wird. Orhan Pamuk erzählt die Geschichte zu seinem im April 2012 eröffneten Museum, das seine eigene Geschichte erzählt, die wiederum aus einer unabschließbaren Verweiskette von Geschichten besteht.

Édouard Levé : Selbstmord

Die Tat selbst erscheint unbegreiflich und banal. Einer kehrt auf dem Weg zum Tennisspiel noch einmal ins Haus zurück, um seinen Tennisschläger zu holen. Er steigt in den Keller und erschießt sich. Draußen wartet die

Alex Capus : Skidoo

Bodie, die Goldgräber-Geisterstadt im Nordosten Kaliforniens hinter den verschneiten Bergspitzen der Sierra Nevada war einst Schauplatz prunkvoller Beerdigungen dort lebender Chinesen, Betreiber in Zeiten des Goldrauschs unverzichtbarer Dienstleistungsangebote wie Wäschereien, Restaurants und Opiumhöhlen, die ihren

Richard Ford : Kanada

Great Falls, Montana 1960: Der 15-jährige Dell lebt zusammen mit seiner Zwillingsschwester Berner und seinen Eltern in der gesichtslosen Kleinstadt im Nordwesten der USA. Er freut sich auf die Schule, will endlich Mitglied des örtlichen

Stephan Thome : Fliehkräfte

Thomes brilliant erzählter Entwicklungsroman bewegt sich vordergründig im verdrießlichen Milieu von verbeamteten grauen Universitätseminenzen, Ausschüssen und Berufungskomissionen, die mehrheitlich „den Poststrukturalismus als Epilog einer Verirrung“ ansehen und dessen Ausbreitung konziliant mit befristeten Juniorprofessuren abzirkeln. Am Ziel

Martin Walser : Das dreizehnte Kapitel

„Schloss Bellevue, sagte ich.“ Der erste Satz des Romans zeigt schon an, dass der Autor, der seinen Erzähler diesen Satz sprechen lässt, nicht gewillt ist Zeit zu verlieren oder große Umstände zu machen. Wenn sich

Shahrnush Parsipur : Frauen ohne Männer

Wer Shirin Neshats Filmkunstwerk women without men bewundert hat, dem sei die gleichnamige Romanvorlage der iranischen Autorin Shahrnush Parsipur – in der ausgezeichneten Übersetzung von Jutta Himmelreich – dringend ans Herz gelegt.  Immer ist es

Michael Ondaatje : Katzentisch

Steht der Katzentisch (im Original: „The cat‘s table“) in den Speisesälen der feinen Gesellschaft für gewöhnlich außen vor und am Rande des vermuteten Hauptgeschehens, reserviert für die Kleinen, Unsichtbaren und weniger Betuchten, ist er an

Silke Scheuermann : Die Häuser der anderen

Die Häuser der anderen – das ist die Illusion (oder Angst), woanders könnte das andere, bessere Leben stattfinden. Das sind die imaginären Lebens- und Projektionsräume, in denen anderen das gelingt, woran wir scheitern. Da ist

James Joyce : Ein Porträt des Künstlers als junger Mann

Wer bis jetzt sich an Joyce noch nicht herangetraut, den Ulysses so manches Mal voller unglaubwürdig-guter Vorsätze in den Urlaub mitgeschleppt und dann ungelesen wieder nach Hause gebracht hat oder wer sich allenfalls nur noch

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