Wolfgang Büscher : Ein Frühling in Jerusalem

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Der Ort, wohin uns Wolfgang Büscher nimmt, ist kein geografischer Ort. Jerusalem ist Sehnsuchts- und Erlösungsziel par excellence, ein Ur-Topos antiker, griechischer, babylonischer, jüdischer, christlicher, osmanischer, armenischer, palästinensischer wie islamischer Hegemonie. Abend- und Morgenland wohnen Wand an Wand. Jerusalem bedeutet „Stadt des Friedens“. Aber es ist kein Frieden dort. Es herrscht Waffenstillstand, jederzeit aufkündbar, hochexplosiv. Ein Schmelztiegel aus Argwohn und Ressentiments, aus Demütigungen und Urfehden. Und doch, am Rande der Altstadt, unweit des Jaffators, gibt es die Mamilla Mall. » Weiterlesen

Felix Hartlaub : Italienische Reise

Im Sommer 1931 unternimmt der damals achtzehnjährige Schüler der Odenwaldschule Felix Hartlaub gemeinsam mit 10 Mitschülerinnen und Mitschülern und dem betreuenden Lehrer Werner Meyer eine einmonatige Studienreise nach Italien. Nikola Herweg und Harald Tausch haben das Reisetagebuch inklusive der Federzeichnungen des Achtzehnjährigen jetzt im Suhrkamp Verlag herausgegeben, kommentiert und mit einem klugen und instruktiven Nachwort versehen. Die Aufzeichnungen beginnen im Tessin, weitere Stationen der Reise sind u.a. Genua, die Cinque Terre, Viareggio, Lucca, Pisa, ein längerer Aufenthalt schließlich in Florenz. Die letzte Aufzeichnung erfolgt auf der Rückreise in Freiburg. Dieser schmale, sehr schön gestaltete Band bietet nichts Geringeres als eine hoch verdichtete und in ihrem Ton ganz eigene Schule des Sehens. Nicht nur für Italienkundige.

Felix Hartlaub: Italienische Reise. Bibliothek Suhrkamp 1473, Gebunden, 104 Seiten, 17,95 €

Andrzej Stasiuk : Tagebuch danach geschrieben.

„Der Sinn würde sich am Ende offenbaren, weil ein Sinn existiert. Deshalb ging ich jedesmal auf Reisen, immer weiter und weiter. Bis ans Ende des Kontinents, damit mir nichts anderes übrigbleibt, als umzukehren.“
Andrzej Stasiuk ist ein Herumtreiber, ein transsilvanischer Vagabund, ein beutegieriger Nomade in Absurdistan. Wo andere lieber nicht hinreisen, weil es zu gefährlich oder zu demprimierend ist, findet Stasiuk literarische Beute. Der Balkan ist sein Revier. Sein Vaterland ist Polen, wo der Kommunismus grau war. „Denn das Land war grau, denn die Gesichter waren grau, denn das Leben war grau und einen Scheiß wert, weil es keine zwanzig Sorten Chips und keinen erschwinglichen Tunesien-Urlaub gab.“ » Weiterlesen