Christina Maria Landerl : Verlass die Stadt

Margot, die über Bachmann und Wien schreiben wollte, hat die Stadt verlassen und „Jetzt soll Wien zusehen, wie es ohne mich zurecht kommt.“ Die Erzählerin schaut auf Wien und ihren Kreis von Freunden und erzählt haarscharf am Geschehen vorbei. Was geschieht? Plötzlich bemerkt jemand, dass es keine Tauben mehr gibt und vermisst sie. In dem Bedauern darüber, dass ein Gasthof geschlossen hat, meint jeder etwas anderes. Die abwesende Margot wird von ihren Freunden Gudrun, Max, Peter und Laura vermisst. Darin scheinen sie sich einig. Erst mit ihrem Verschwinden bekommt die Gesuchte Gestalt. Als sie am Ende wie aus dem Nichts und beiläufig wieder aufttaucht, vergisst man fast, das sie da ist. Ist dies ein Wien-Roman? Ja und Nein. Wer in dem Buch von Landerl das verborgene Kaffeehaus-Wien, Falco, Ingeborg Bachmann oder Malina zu finden hofft, wird genauso enttäuscht wie die entschwundene Ich-Erzählerin. Belohnt wird, wer sich von Landerls Streifzügen über das Verschwinden (die nicht zufällig in Wien spielen) verführen lässt. Wir finden ein Wien, das immer (wo)anders ist, vielleicht in den Fugen und Ritzen namenloser Gebäude. Es ist ein kunstfertiges literarisches Spiel mit der Präsenz des Abwesenden und dem, was nicht gesagt wird. Wir lesen von Menschen, die erst da sind, wenn sie ihren Ort verlassen haben.
Christina Maria Landerl, Verlass die Stadt, Schöffling & Co, 16,95 €