Peter Handke – Siegfried Unseld : Der Briefwechsel

Es steht zu befürchten, dass verlagsgeschichtliche Editionen dieser Art, einmal den Gesetzen des Marktes unterworfen, bald der Vergangenheit angehören. Der Briefwechsel zwischen Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld und einem seiner nahestehendsten Autoren, Peter Handke, erscheint womöglich deshalb zur rechten Zeit. Am Leitfaden der in Duktus und Ton immer selbstbewusster und forscher auftretenden Handke-Briefe kann man die Geduld des Verlegers nur bewundern. So wie er die Frechheiten Thomas Bernhards oder Dauerausreden Wolfgang Koeppens wegsteckt, reagiert er klug und besonnen auf die Überempfindlichkeiten und Unterstellungen wie etwa „die Zeit der Lügen muss ein Ende haben“. Unseld bleibt freundlich, sachlich, pariert mit Zahlen und kämpft, wenn es sein muss, wie ein Löwe um seinen „wichtigsten Autor“. Jedem Leser, dem Handkes jüngstes Florett mit dem Beistift etwas zu selbstverliebt und das Urvertrauen (worauf eigentlich?) seiner Verlegerin etwas zu leichtfertig-hohepriesterlilch erscheint, dem sei das Vermächtnis dieser Korrespondenz ans Herz gelegt. Zu einer Zeit, da der Verlag droht, zwischen gesellschaftsrechtlichen Versäumnissen und (leider auch, aber nicht nur) prozentualen Anteilen zweier Erben zerrieben zu werden, zeigen diese Briefe einmal mehr, wofür der Name und die Institution Suhrkamp steht: Intellektuelle Heimat für Generationen von Autoren und Lesern und das beruhigende Gefühl, zwischen den Buchdeckeln befinde sich mehr als bedrucktes Papier.

Peter Handke, Siegfried Unseld: Der Briefwechsel. Herausgegeben von Raimund Fellinger und Katharina Pektor, 798 S. 39,95 €