Sasan Seyfi : Complicate your Life

Dieses Buch steht sich und seiner Veröffentlichung konsequent im Weg. Auf atemberaubende Weise gelingt dem Autor das, was er sagen will, auf eine Weise zu verkomplizieren, dass er es eben nicht aussprechen und zu Ende führen kann. Indem er die Etymologie seines Titels aufspürt, wird er zum radikalen Komplizen seines Diktums, von dem Seyfi annimmt, dass es uns retten könne: die Verkomplizierung des Seienden im Ganzen. Es darf also mit Spannung erwartet werden, ob der Autor dieses abendfüllende Werk je vollendet – an lebenspraktischen Verwicklungen mangelt es ihm offenbar nicht. Nur der geduldige Leser wird nach wenigen Seiten ahnen, dass Seyfi genau weiß, wovon er spräche, wenn er sich denn dazu entschließen würde, endlich damit anzufangen. Aber genau hier weigert sich Seyfi wortbrüchig zu werden. Fragmentarisch erhält der Leser eine Ahnung davon, was zu tun wäre, um sein Leben gründlich an die Wand zu fahren: Rechnungen liegen lassen, feste Arbeitsverhältnisse auflösen, 1001 Projekte anvisieren und nichts in Angriff nehmen, sich gründlich verzetteln, Ticks entwickeln und kultivieren. Seyfi distanziert sich jedoch ausdrücklich vom Gelingen im Scheitern. Wollte man diesem Buch eine Strategie abringen, dann diese: Du musst Dein Leben ändern lassen, nach dem Straucheln einfach Liegenbleiben und Lachen.