Autor: Sasan Seyfi

Peter Sloterdijk : Zeilen und Tage. Notizen 2008 – 2011

17. August, Tübingen. In einer Stadt, die sich nicht die Mühe machen muss, zu gefallen, nehme ich mir jetzt doch die vielgepriesenen „Notizen“ von Peter Sloterdijk vor, obschon die vorangestellte Klarstellung enttäuscht: „Das Ausgelassene überwiegt das Beibehaltene im Verhältnis drei zu eins“. Obendrein von der angekündigten Glättung leicht angesäuert möchte […]

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Michael Ondaatje : Katzentisch

Steht der Katzentisch (im Original: „The cat‘s table“) in den Speisesälen der feinen Gesellschaft für gewöhnlich außen vor und am Rande des vermuteten Hauptgeschehens, reserviert für die Kleinen, Unsichtbaren und weniger Betuchten, ist er an Bord der Oronsay, einem Passagierdampfer der Orientlinie, der aufregendste, ja magischste Ort der Welt. Mit […]

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Gerhard Roth : Portraits

Was ist das Besondere, Wesentliche, Unverzichtbare dieser unter dem bescheiden anmutenden Titel „Portraits“ gebündelten Begegnungen mit Malern und Dichtern (Bruno Kreisky, Ivan Osim, Simon Wiesenthal einmal ausgenommen)? Ein spannendes Panoptikum von Momentaufnahmen, intimen Erinnerungen, Auftragsarbeiten, Einflüssen und Bekenntnissen des Schriftstellers Gerhard Roth? Die Begegnung eines gut präparierten Besuchers mit Max […]

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Joachim Kalka: Die Katze, der Regen, das Totenreich. Ehrfurchtsnotizen.

Wer glaubt, dass über Teufelsauftritte in der Literatur, über den orientalischen Schlendrian Kismet, über die Ästhetik des Rauchens oder Untote genug geschrieben sei, der lese bitte Die Katze, der Regen, das Totenreich und trete ehrfürchtig ein in die wundersame Untergrundbibliothek des Joachim Kalka. Das Buch zielt, wie Kalka bescheiden voranstellt, […]

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Ein Abend mit Katharina Hacker im Literarischen Salon

Abends um acht. Vierzehn Stockwerke über den Dächern einer verregneten Stadt spiegelt sich die Innenbeleuchtung in den Panoramafenstern des Literarischen Salons wider, als könnte ein Sonnenuntergang den düsteren Horizont Hannovers illuminieren, einer Stadt mit vielen Verlorenen. Katharina Hacker setzt sich an den Tisch und liest aus Eine Dorfgeschichte. Kein urban verklärter […]

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Patricia Görg : Handbuch der Erfolglosen. Jahrgang zweitausendundelf.

Fukushima, ein verirrter Pinguin, Karl-Theodor zu Guttenbergs Plagiat, Rettungsschirm für Griechendland, Gaddafis Regenschirm in Tripolis, Strauss-Kahn und Blicke zu unbekannten Sternen. Man muss etwas genauer hinsehen, durch das Triëdere von Patricia Görg, um aus dem feinen Textgewebe nicht etwa medienkritische Glossen, scharfzüngige Kolumnen über kalendarische Ereignisse des Jahres 2011 herauszulesen. […]

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Derek Walcott : Weiße Reiher

Woher kommen diese Gedichte? Von einer karibischen Insel? Aus Übersee? Wenn Dichtung genau das sei, was in der Übertragung verloren geht, so sind die Weißen Reiher von Derek Walcott, wie sie uns Werner von Koppenfels in dieser zweisprachigen Ausgabe zuführt, eine poetologische Widerlegung, die nicht Rhythmus und Reim, sondern dem […]

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Günter Grass : Was bereist werden muss. Iranische Skizzen

Diesen fast jugendlich-frisch daherkommenden und von unmittelbarer und unvoreingenommener Anschauung und Erfahrung gesättigten Reiseaufzeichnungen merkt man kaum an, mit welchen Widerständen der 84jährige Nobelpreisträger gerungen haben muss, bevor er auf persönliche Einladung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad die Iran-Air Maschine von Hamburg nach Teheran besteigt. Drei Bedingungen hat der Autor seinen […]

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Dieter Tauber : Das wahre Leben

Generationen von misepetrigen Sprachwissenschaftlern haben uns mit fragwürdiger Berufung auf Nietzsche in den letzten fünf Jahrzehnten auf mehr oder minder verklausulierte Weise an der Nase herumgeführt. Sie versuchten uns weis zu machen, die Welt sei vor allem eins, nämlich „sprachlich verfasst“. Das „wahre Leben“ sei nichts weiter als ein waberndes […]

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Lukas Meschik : LUZIDIN oder Die Stille

Seite 230: „Das Universum ist groß. Womit der Erzählrahmen abgesteckt wäre.“ Absätze wie dieser mögen den Lektor beim Blättern im Manuskript bewogen haben, den jungen Autor zurück zu holen. An Unbescheidenheit mangelt es diesem freilich nicht. Allein die Widmung „Den ungelebten Leben“ ist eine hübsche Frechheit. Sogar der Verlag jungundjung wird […]

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E.M. Cioran: Notizen 1957-1972

Es ist der Herausgeberin Simone Boué und der herausragenden editorischen Übersetzungsleistung von Peter und Konrad Weiß sowie Verena von der Heyden-Rynch zu verdanken, dass dieser Kosmos Ciroanschen Denkens aus den Notizheften 1957 – 1972 für den deutschsprachigen Leser endlich vollständig zugänglich wird. Wir entdecken darin Cioran im Gefolge Nietzsches als […]

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Benjamin Stein: Replay

Pans Rache? Eines Morgens glaubt der zeichenaffine Neurobiologe Ed Rosen anstelle seines Fußes einen Huf aus der Bettdecke ragen zu sehen. Eine Sinnestäuschung oder ein böses Omen? Unentscheidbar. Im Gegensatz zu Gregor Samsa bleibt Rosen jedoch liegen, schließt die Augen und lässt die Geschichte seiner Metamorphose Revue passieren. Das hochbegabte […]

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